Der "Third Way of DevOps"

Autor: Oliver Hankeln

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TL;DR

Betrachtet Eure Aktionen als Experimente. Ihr könnt nicht vorher wissen, was funktioniert. Deshalb dürfen Fehler nicht bestraft werden. Wichtig ist der Erkenntnisgewinn. Um so arbeiten zu können, müsst Ihr ein Umfeld schaffen, in dem ein fehlgeschlagenes Experiment keine Katastrophe zur Folge hat.

Einleitung

Nach dem ersten und zweiten Weg beschäftigen wir uns heute mit dem dritten und letzten Weg von DevOps nach Gene Kim.

Der dritte Weg

Dieser Weg trägt den Namen “Culture of constant experimentation and learning”. Anders als die beiden anderen Wege, in denen jeweils etwas Konkretes verbessert wird (der Fluss von Arbeit im ersten und der Fluss von Feedback im zweiten Weg) geht es diesmal um die (Organisations-)Kultur, die Lernen ermöglicht.

Experimente

Der Name … constant experimentation … verweist schon auf das Experimentieren. Aber was ist ein Experiment überhaupt? Wildes Zusammenrühren von bunten Chemikalien wie wir es aus dem Kino kennen ist damit natürlich nicht gemeint. Wir beschreiben damit ein quasi-wissenschaftliches Vorgehen, das dem empirischen Ansatz aus Transparency - Inspection - Adaptation folgt.

Beispiel

Zuerst schaffen wir Transparenz über einen bestimmten Aspekt unserer Arbeit. Dabei sind wir nicht auf technische Themen, wie zum Beispiel Antwortzeiten unserer Website, beschränkt. Auch Fragen der Zusammenarbeit, wie zum Beispiel die Teamstrukturen oder jeder beliebige andere Aspekt können hier im Fokus stehen. Mit dieser Datenbasis können wir uns überlegen, was wir verändern wollen, um eine bestimmte Verbesserung zu erreichen. In der Vergangenheit könnte es zum Beispiel immer wieder Probleme damit gegeben haben, dass die Kollegen aus den Ops-Teams unsere Software nur schlecht betreiben konnten, weil sie zu wenig Verständnis für den internen Aufbau hatten. Diese Probleme legen wir offen. Das ist der Transparency-Teil. Mit dieser Grundlage können wir jetzt eine Hypothese aufstellen - hier vielleicht “Wenn die Kollegen aus Ops in unseren Refinements dabei sind, dann erkennen wir Betriebsanforderungen schneller und haben weniger Probleme in der Produktion”. Die Phase, in der wir diese Hypothese formulieren nennt sich Inspection. Jetzt sind wir bereit, das eigentliche Experiment zu starten. Wir lassen den Worten also Taten folgen und laden die Kollegen ein. Das nennt sich Adaptation. Und hier schließt sich der Kreis. Wir schaffen jetzt erneut Transparenz, um herauszufinden, ob wir mit unserer Hypothese richtig oder falsch lagen. Und von dem Punkt aus formulieren wir unsere nächste Hypothese.

Kultur

Wir gehen nicht mit dem Anspruch an unsere Experimente heran, dass jede unserer Hypothesen richtig ist. Das ist ein wichtiger kultureller Aspekt an diesem Vorgehen. Eine richtige Hypothese ist keinen Extrabonus wert und eine falsche darf nicht bestraft werden. Nur so können wir uns die Gelassenheit bewahren, die Ergebnisse unserer Experimente objektiv zu betrachten. Jedes Experiment liefert uns, unabhängig vom Ergebnis, einen Erkenntnisgewinn. Und den müssen wir wertschätzen.

Lernen

Im dritten Weg lernen wir also auf die gleiche Weise, auf die ein Kind laufen lernt. Nicht, indem es einen Schritt vor den anderen setzt, sondern indem es immer wieder hinfällt, daraus lernt und wieder aufsteht.

Sicherheit

Und genau wie ein Kleinkind das Laufen tunlichst nicht an einer steilen Klippe lernt, müssen wir uns auch ein Umfeld schaffen, in dem es nicht schlimm ist, hinzufallen. Deshalb gehört auch das Schaffen eines Umfelds, in dem wir gefahrlos experimentieren können, zum dritten Weg. Beispiele könnten hier etwa automatisierte Tests in der CI/CD-Umgebung sein, die uns davor bewahren, dass Bugs in die Produktion gelangen. Eine andere Maßnahme könnten Fail-Over Mechanismen in der Infrastruktur sein. Sie sorgen dafür, dass ein Ausfall eines Servers keine schlimmen Auswirkungen auf das Gesamtsystem hat. Dazu gehört aber auch, dass die Führungskräfte vorleben und immer wieder betonen, dass niemand für Fehler bestraft wird. Vielmehr werden sie als das angesehen, was sie sind: Rohstoffe, aus denen man neues Wissen schaffen kann.

Denn nur in solch einem Umfeld werden Fehler nicht mehr versteckt, sondern man kann sie im Sinne der Transparenz offen legen und daraus wiederum lernen.

Fazit

Wie die beiden anderen Wege ist auch dieser einer, bei dem wir das Ziel nie erreichen werden. Wir folgen dem ewigen Zyklus von Transparency - Inspection - Adaptation. Sobald wir aber die Grundidee verinnerlicht haben, werden wir immer mehr Ideen für neue Experimente haben - und aus den Ergebnissen lernen können. Und wenn unser Umfeld fehlertoleranter wird - in kultureller wie technischer Hinsicht - können wir mit unseren Experimenten immer mutiger werden und deshalb auch immer größere Erkenntnissprünge machen.